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Der Sufi- bzw. Derwischorden besteht seit ca. 1997 in Augsburg und gehört zum Orden der Nakshibendi. Er hat ungefähr 50 Familien als Mitglieder, das bedeutet ca. 250 Personen. Die meisten sind um die 30 Jahre alt und Kinder türkischer MigrantInnen. Da die Räume sehr klein sind, praktizieren Männer und Frauen bislang an getrennten Tagen. Man ist auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten, damit Männer und Frauen zusammen beten und meditieren können. Die Kinder werden bis zur Pubertät zusammen, dann in der jeweiligen Geschlechtergruppe unterwiesen. Die Vereinsräume bestehen aus einem Vorraum, dem Gebetsraum, einem Lagerraum und einer Küche. Der Gebetsraum dient ebenfalls als Ort für Versammlungen, Feste und den Unterricht der Mädchen, Jungen und der Erwachsenen. Er ist mit Bildern der Kaaba in Mekka, einer Auswahl an Allahs Namen auf Arabisch, einem Foto der Moschee in Medina und dem Stammbaum des Ordens, von dem sich Die Rosen ableiten, geschmückt. Im Vorraum befindet sich eine kleine Theke zum Verkauf von Lebensmitteln. Durch diese Einnahmequelle sollen die Mitgliedsbeiträge möglichst gering gehalten werden. Herr Muhammed Sufi, der seit 1992 dem Nakshibendi-Orden angehört, erzählt, dass \"Die Rosen\" von allen (islamischen) Vereinen in Augsburg die größte Palette an Büchern hätten. Der Verein pflege Kontakte mit vielen anderen Vereinen, besonders zur Moschee am Katzenstadel. Wer den Verein besucht und sich ein wenig Zeit nimmt, wird von den Mitgliedern mit Lehre und Praxis des Sufismus bekannt gemacht. Sufismus gilt als Sammelbezeichnung für unterschiedliche Gruppierungen einer bedeutenden islamischen Glaubensrichtung, mit mystischen Traditionen und Riten. Die ersten Sufis waren einzelne Asketen. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sich einzelne Ordensgemeinschaften (Tariqas), die teilweise noch heute existieren. Die Konvente der Orden nennt man Khanqah, Dergah, Tekke oder Zawiya. Herr Sufi: \"Im Glauben der Sufis hat Gott die Welt erschaffen, um sich über seine Schöpfung seinen Geschöpfen zu zeigen. Durch seine unendlichen Gaben, die er Seinen Geschöpfen beschert, zeigt er seine unendliche Barmherzigkeit und seine unendliche Liebe. Alles sprießt und entsteht durch diese Liebe. Dies ist die Wahrheit und der Grund des Seins. Der Mensch soll diese Wahrheit erkennen und Gottes Liebe erwidern. Durch göttlichen boten, den Propheten lässt Gott die Wahrheit vorleben und lehren. DieWahrheit spiegelt sich neben dem Kosmos und dem Menschen in den heiligen Schriften wie der Tora, dem Evangelium und zuletzt im Koran. Somit hat der Mensch als Lebenssinn die Aufgabe, Gott zu erkennen und diese Liebe aufrichtig zu erwidern. Hierzu wurde er erschaffen und mit den nötigen Werkzeugen im passenden Umfeld ausgestattet. Der Umfeld ist der große Kosmos und der kleine Kosmos (sein eigener Körper). Die Werkzeuge sind Geist und Verstand.\" Um zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen muss Geist gereinigt und der Körper diszipliniert werden. Dies erreicht man durch Meditation (Dhikr) und Nachdenken. Somit gelangt der Mensch schließlich zum gesunden Verstand. Der Islam, so Herr Sufi, lehre Gebote und Rituale und unterweise den Menschen gleichzeitig im Verstehen dieser Gebote, damit der Mensch Gott erkennt. Ein Sufi ist also jemand, der seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten auf dem Weg zur Wahrheit unbeeinflusst, auch von seinen eigenen Neigungen, im Lichte seines eigenen Gewissens gerecht benutzt, um im glücklich im Einklang mit dem Kosmos zu leben. Das oberste Ziel ist es aber, Gott so nahe wie möglich zu kommen um ihn so tief wie möglich zu erkennen. Somit findet die Persönlichkeit des Menschen unbeeinflusst von äußeren Einflüssen größtmögliche Entfaltung. Eine andere Bezeichnung für Sufi ist Derwisch (persisch Bettler). Herr Muhammad Sufi berichtet, dass es sich bei Die Rosen um einen sog. stillen Orden handelt. Die Praktiken der Nakshibendis, zu welchen sich Die Rosen zählen, sind u.a. Meditationen, Pflichtgebete und freiwillige Sunnagebete. Die Pflichtgebete (eine der fünf Säulen des Islam) bestehen aus 17 Abschnitten oder Gebetseinheiten, den Rekas. Eine Gebetseinheit setzt sich aus zwei rituellen Aufrechtstehen, einer rituellen Neigungen, zwei rituellen Niederwerfungen, zwei rituellen Sitzen und aus dem Rezitieren bestimmter Gebetsformeln und Suren zusammen. Bei der Meditation wird eine bestimmte Sitzhaltung eingenommen. Sie fängt mit dem Wiederholen von Allahs Namen an, wobei sich - je nach Initiationsgrad - eine Steigerung vollzieht. Die Praxis, wie man richtig meditiert, wird nicht preisgegeben. Dies aber auch aus gutem Grund. Gelangen die Sufis durch diese Übungen in Gottesnähe, geraten sie oft in Trance. Ein bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis sind die so genannten tanzenden Mevlevi-Derwische von Konya (Stadt in der Türkei), die sich meditierend solange im Kreis drehen, bis sie in Trance geraten. Durch die Trancezustände soll die sinnliche Wahrnehmung erweitert, das Verhaftetsein an Eigenschaften, die der menschlichen Natur widersprechen, aufgegeben werden. Somit soll der Geist gereinigt werden, damit die göttliche Wahrheit, die im Geist eines jeden Menschen in den Tiefen seiner Seele verankert liegt, durch persönliche Erfahrung erkannt wird. Auf dem Weg eines Derwisch gibt es folgende Stufen zur Erkenntnis: die Schari\'a (islamisches Gesetz). Die Sharia steht für das Lernen. Die Tariqa (der mystische Weg zur Wahrheit). Sie steht für das Erfahren. Die Haqiqa (die Wahrheit ) Sie steht für das Verstehen und die Ma\'rifa (Erkenntnis) Sie steht für das glückliche Leben. Im Sufismus wird oft das Symbol der Rose für die einzelnen Stufen gebraucht. Die Dornen stehen für die Schari\'a, das islamische Gesetz, der Stängel ist Tariqa, der Weg. Die Blüte gilt als Symbol für Haqiqa, der Wahrheit, die schließlich den Duft, Ma\'rifa, die Erkenntnis, in sich trägt. Zum Islam, wie ihn die Sufis verstehen, gehören bestimmte Kleidergebote: Starkes Herausputzen lenkt von Wichtigerem ab. Deshalb sollen Mann und Frau schlichte und weite Gewänder tragen, damit man nicht die Körperform sieht. Haare gelten im Islam für Frauen als das charakteristische Symbol für ihre Schönheit. Deshalb soll die Frau im Glauben der Sufis in der Gegenwart von Personen, mit denen sie nach der Sharia heiraten darf, diese bedecken, damit ihre Persönlichkeit und nicht ihre sexuelle Anziehungskraft im Vordergrund stehe.